Soziale Arbeit in den Sanierungsgebieten

Aus aktuellem Anlass veröffentlicht der SPD-Ortsverein Wilhelmshaven West eine Pressemitteilung seines Ratsmitgliedes und Vorsitzenden Detlef Schön:

Mit großem Bedauern und Unverständnis habe ich die Berichterstattung in der Wilhelmshavener Zeitung vom 11. März 2021 über die letzte Sitzung des Ausschusses Planen und Bauen (APB) zur Kenntnis genommen. In einem demokratischen Meinungsbildungsprozess hat die Mehrheit des Ausschusses nicht die Verwaltung düpiert, sondern gemäß NKomVG eine Entscheidung gefällt. Mitnichten haben wir im Sinne des Wortes ‚düpieren‘ die Verwaltung getäuscht, hinters Licht geführt oder aber vor dem Kopf gestoßen, sondern uns mit einer – möglicherweise unzureichenden und mangelhaften – Vorlage eben dieser Verwaltung beschäftigt. Völlig unverständlich ist mir, wie der verantwortliche Redakteur zu der Schlussfolgerung gelangt, der Wilhelmshavener SPD in toto oder mir als Einzelperson passten der kirchliche Träger Diakonie nicht! Als Mitglied der evangelischen Kirche und als Mitglied der SPD fühle ich mich zu Unrecht angegriffen. Wenn der verantwortliche Redakteur entsprechende Äußerungen während der Sitzung vernehmen konnte ohne die Quelle dieser Äußerungen zu verifizieren, warum werden diese unwahren Dinge publiziert?

Während der Sitzung habe ich auch nicht gegen die aufsuchende Sozialarbeit gewettert. Die negativ belegte Vokabel ‚gegen etwas wettern‘ (geifern, herumschreien, Krawall machen, poltern, schimpfen) negiert den von mir sachlich vorgetragenen Sachverhalt zum Tagesordnungspunkt „Integrationsfond – Planung der beantragten Mittel“ der APB-Sitzung. Ich habe auf die vorbereitenden Untersuchungen der Sanierungsgebiete ‚Westliche Südstadt‘ und ‚Tonndeich‘ hingewiesen und deutlich gemacht, dass sowohl die Arbeit des ehemaligen Quartiersmanagers der ‚Westlichen Südstadt‘ als auch die des/der zukünftigen Quartiersmanager*in von ‚Tonndeich‘ im sozialen Überbau dieser Sanierungsgebiete stattfand und stattfinden wird. Diese Sanierungsgebiete zeichnen sich dadurch aus, dass sie neben der herkömmlichen städtebaulichen Sanierung gemäß BauGB, also der klassischen Behebung von städtebaulichen Missständen, auch das „Soziale“ im Blick haben. Genau aus diesem Grunde werden diese Sanierungsgebiete mit Städtebauförderungsmitteln der Programmkomponente „Soziale Stadt“ gefördert. Die Quartiersmanager*innen waren und sind bei der städtischen Sanierungsträgerin (früher WBG Jade, jetzt Adler) beschäftigt. Als Motoren, Kümmerer und Ansprechpartner vor Ort initiieren und unterstützen sie diverse Projekte und beziehen die Bewohner*innen mit ein. Sie schaffen stabile Sozialstrukturen, initiieren Projekte aus den unterschiedlichsten sozialen, kulturellen und ökonomischen Handlungsfeldern. Quartiersmanager*innen tragen dazu bei, dass in den benachteiligten Quartieren die Lebensbedingungen aufgewertet, verbessert und stabilisiert werden. Bei ihnen laufen die Fäden zusammen. Die getätigte Aussage Dr. Hofbauers (Abteilungsleiter Stadterneuerung) vor dem APB, die Quartiersmanager leisteten keine Sozialarbeit, sondern ihre Arbeit sei es, „die in den zu sanierenden Vierteln wohnenden Haus- und Grundeigentümer hinsichtlich der Sanierungsmöglichkeiten ihrer Häuser zu beraten“, ist schlichtweg falsch! Das ist die originäre Aufgabe der Sanierungsträgerin und nicht der Quartiersmanager*innen.

Selbstverständlich können die Tätigkeiten des/der Tonndeicher Quartiersmanager*in im Besonderen und die Tätigkeiten in den Sanierungsgebieten im Allgemeinen durch zusätzliche Sozialarbeiter*innen unterstützt werden. Meiner Auffassung nach müssen diese Sozialarbeiter*innen ebenso wie der/die zukünftige Tonndeicher Quartiersmanager*in im Hause der städtischen Sanierungsträgerin eingestellt werden. Dann wäre alles in einer Hand, es gebe keine Reibungsverluste und unnötige Parallelstrukturen könnten vermieden werden. In einem demokratisch gewählten Ausschuss des Rates der Stadt Wilhelmshaven muss es den SPD-Mitgliedern erlaubt sein zu fragen, ob in einer Stadt, in der 51,4 Prozent der Einwohner keiner oder keiner christlichen Religion angehören, die Tätigkeit von Sozialarbeiter*innen nicht auch von konfessionsneutralen Trägern organisiert werden kann. Es muss erlaubt sein zu fragen, ob in einer Stadt, in der 11 Prozent der Bevölkerung eine ausländische Nationalität und 23,1 Prozent einen Migrationshintergrund haben, nicht auch Sozialarbeiter*innen eingestellt werden können, die einen Migrationshintergrund haben. Es ist durchaus sinnvoll, wenn diese Sozialarbeiter*innen als Stützen des/der Quartiermanager*in etwa fließend arabisch (derzeit rund 1.700 arabisch sprechende Mitbürger*innen in Wilhelmshaven) oder aber fließend türkisch sprechen und so aktiv in ihren sozialen Communities in den Sanierungsgebieten tätig werden könnten.

Es ist meine Aufgabe als Ratsmitglied, zum Wohle der Bürger*innen Fragen, teilweise auch kritische Fragen, zu stellen und nicht allen nach dem Munde zu reden. Als Ratsmitglied werde ich mich auch weiterhin aufrecht in die Diskussion einbringen, auch wenn es offensichtlich nicht jedem passt!

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