Krankenhäuser legen die Karten offen

ZUSAMMENSCHLUSS: Zurzeit wird ermittelt, was die „Verlobten in die Ehe einbringen“. Allein sehen RNK und St-Willehad-Hospital auf Dauer für sich keine gesicherte Zukunft.

Auf das erwartet große Interesse stieß am Donnerstagabend die Informationsveranstaltung zum Thema „Klinikum Wilhelmshaven“. Dabei vermittelten auch die rund 400 Bürgerinnen und Bürger im gefüllten Saal des Gorch-Fock-Hauses in der über zweistündigen Diskussion den Eindruck, zu wissen, dass Alleingänge der beiden Krankenhäuser RNK und St.-Willehad-Hospital auf längere Sicht keine Zukunft mehr haben würden.

Das kommunale Krankenhaus solle in kommunaler Hand bleiben, sei aber auf Dauer nicht derart defizitär wie bisher mit Zuschüssen in Millionenhöhe zu betreiben, betonte noch einmal Oberbürgermeister Andreas Wagner. Vorausgesetzt, dass die entsprechenden Gremien und die Politik im weiteren Verlauf so beschlössen, könne zum 1. Januar 2014 das Klinikum mit den Gesellschaftern Stadt und St. Willehad e.V. starten. Auf die Diskussionen der letzten Wochen eingehend unterstrich Wagner, dass auch im künftigen Klinikum ein nicht diskriminierendes, optimales Angebot für Schwangerschaftsabbrüche gewährleistet sei. Was die Mitarbeiter der Krankenhäuser betreffe, werde es für keinen Beschäftigten eine Verschlechterung geben. Angestrebt wird ein Haustarif, um auf Sicht die unterschiedlichen Bezahlungsmodalitäten zu beenden. „Ab Januar soll der gemeinsame Tarifvertrag stehen“, sagte RNK-Geschäftsführerin Andrea Aulkemeyer. Dazu habe man bereits den sogenannten Überseetarif mit dem DRK gekündigt, um die Krankenschwestern statt in einem Arbeitnehmerüberlassungsvertrag besser selbst anstellen zu können.

„Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht das Zusammengehen total Sinn“, zeigte sich der Geschäftsführer der St.-Willehad-Hospitalgesellschaft, Heinz Hoffstedde, überzeugt. Zwar schreibe das Willehad seit Jahren schwarze Zahlen, doch auf die Zukunft betrachtet, sei er sich „absolut im Klaren, dass ein Klinikum die beste Lösung sein wird“. Derzeit lassen sich nach den Worten Aulkemeyers beide Häuser gegenseitig in die Karten schauen. „Wir sind einander versprochen, wir sind verlobt – drum prüfe, wer sich ewig bindet“, sagte sie. Was jeder in die Ehe einbringe, werde Ende Mai vorliegen; am 31. Mai gehen dann die Gespräche im Zeitplan weiter.

In der Diskussion geäußerten Befürchtungen, das Nordwestkrankenhaus Sanderbusch werde außer Acht gelassen, entgegnete der Oberbürgermeister, die Partizipation sei gewährleistet. Man befinde sich in regelmäßigem Kontakt, komme direkt aus Sanderbusch zu der Veranstaltung im Gorch-Fock-Haus. Auf eine Frage von WZ – Chefredakteur Gerd Abeldt, der zusammen mit Radio Jade- Chefredakteurin Katharina Guleikoff durch den Abend führte und die Möglichkeit eines Klinikum-Neubaus für alle drei Krankenhäuser anschnitt, hatte Referatsleiter Robbers bereits geäußert, er halte „eine solche Option derzeit nicht für sehr realistisch“.

© Wilhelmshavener Zeitung vom 17. Mai 2013
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